Digitalisierung in der Medizin

Corona-Krise: Eine Chance für die Telemedizin in Russland

Innerhalb weniger Monate ist durch die globale CoVID-19 Pandemie ein regelrechter Boom der Telemedizin, also der Ferndiagnose und Behandlung von Patienten, entstanden. Führende Unternehmen weltweit investieren Millionen in Gesundheitsorganisationen und Startups, die auf den Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen setzen.

Das traditionelle Bild des Arztes wird durch die Corona-Krise von Grund auf neu aufgerollt: Der gesamte Medizin-Sektor muss sich, in Zeiten wie dieser, unvorhersehbaren Herausforderungen stellen. Dabei werden neue Wege erarbeitet, um der Bevölkerung weiterhin die nötige Gesundheits- und Medizinhilfe bereitzustellen.
Telemedizin in Russland
Beispiel: Einsatz der Telemedizin
In Russland waren die ersten Folgen der Krise eine Veränderung der Gesetzesgebung, die den Arzneimittelhandel bestimmt: Von nun an können vermehrt rezeptfreie Medikamente im Internet bestellt werden. So hat das Unternehmen Yandex.taxi (Яндекс.Такси) beschlossen, einen Medikamentenhandel online aufzubauen, welcher Medikamente direkt nach Hause liefert. Weitere Organisationen, vornehmlich aus dem Medizinsektor, sind diesem Beispiel gefolgt.

Auswirkung der Pandemie auf die Entwicklung der Telemedizin

Trotz der Vertagung, der in Russland jährlich stattfindenden Konferenz über die Entwicklung der Telemedizin auf September dieses Jahres, haben sich verschiedene Experten dieser Branche dazu geäußert, wie sich die Pandemie auf die weitere Entwicklung der Telemedizin in Russland auswirken könnte.
Singerman, Leiter der medizinischen Organisation Invitro, ist davon überzeugt, dass in der Gesellschaft ein „gesunder Konservatismus“ zu erkennen sei und es immer seine Zeit brauche, bis sich Menschen neuen Möglichkeiten (in diesem Falle die der elektronischen medizinischen Behandlung) öffnen. Allerdings kann durch einen externen Faktor, wie die Corona-Krise, eine größere, öffentliche Akzeptanz für diesen Sektor hervorgerufen werden. Immerhin konnte die Gesetzesänderung bezüglich des Arzneimittelhandels, nach jahrelangen Diskussionen, mit Hilfe der Krise schlagartig durchgesetzt werden. Ein ähnlicher Fall ereignete sich bereits 2017 in den USA, als durch die Verwüstungen des Hurrikan Harvey viele Menschen auf online durchgeführte Konsultationen angewiesen waren. Traditionelle ärztliche Behandlungen waren schlichtweg unmöglich.

Der Gesundheitsexperte Prepelizkij, Leiter des Projektes Onetrak der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fügt hinzu, dass die Gewöhnung der Menschen an neue, virtuelle medizinische Hilfe in Russland auch einen psychologischen Aspekt mit sich bringt und dass eine systematische Herangehensweise an dieses Problem unbedingt notwendig ist. So müssen sich Ärzte weiterbilden, um über die stetigen Veränderungen und Entwicklungen im Bilde zu sein und in Folge dessen Patienten rundum zufriedenstellend behandeln zu können.

Andrej Almazov, Projektleiter der NBMZ (National Medical Knowledge Base), sieht die Pandemie als Chance, den globalen Austausch von Medizinern, Wissenschaftlern und Experten des gesundheitlichen Sektors zu stärken und zu fördern. KI (künstliche Intelligenz) und „Big Data“ nennt er als mögliche Hilfsmittel, um diesen Informationsaustausch voranzutreiben. Almazov ist sich sicher, dass die Pandemie zu einer positiven Entwicklung von Regierungen, Unternehmen und der Wissenschaft führen wird, wenn die richtigen Investitionen getätigt werden.

Nachfrage an Online-Beratungen steigt

Weitere Experten sind sich ebenfalls einig, dass die Telemedizin eine hervorragende Möglichkeit bietet, Menschen trotz Krise und Isolation durch Online-Beratungen und Online-Medikamentenbeschaffung helfen zu können. So berichtet Denis Schwezov, der leitende Direktor des telemedizischen Serviceprojektes „Doktor rjadom“, von einer stark angestiegenen Nachfrage an Online-Beratungen. Eine Gefährdung der traditionellen persönlichen ärztlichen Behandlung sieht Schwezov dadurch keinesfalls: Vielmehr stelle die Online-Konsultation eine Chance und Bereicherung der Medizinbranche dar.
Ilya Kuprjakov, Mitgründer und geschäftsführender Partner des Unternehmens „Doktor na rabote“, hebt die Sicherheit der Ärzte hervor, die er als ebenso wichtig wie die Entwicklung von technologischen Behandlungsmöglichkeiten erachtet: „Die Telemedizin schützt sie vor vermeidbaren Ansteckungen in einer Klinik und hilft, das Risiko während einer hohen Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren, was letztlich Menschenleben retten kann.“
Schließlich berichtet Kostjuschev, leitender Direktor der MedVR, über ihr Projekt des Lehrens von medizinischen Mitarbeitern und Studenten mit Hilfe von virtueller Realität, um sie so mit Symptomen von Erkrankungen vertraut zu machen. Mit Simulationen durch VR-Brillen können die Lernenden sehr lebensecht Behandlungen durchführen und Diagnosen stellen. Diese technologische Möglichkeit sieht der Direktor in der heutigen Zeit der Krise als unentbehrlich an, um Menschen mit dem Virus vertrauter zu machen.

Chance für eine Weiterentwicklung der Telemedizin

Zusammenfassend lässt sich erkennen, dass die Corona-Krise von vielen Experten der medizinischen Branche als Chance für die Weiterentwicklung und Ausbreitung der Telemedizin und der Medizintechnik in Russland betrachtet wird. Es bleibt zu hoffen, dass viele Neuerungen dauerhaft in das Gesundheitssystem Russlands integriert werden können, damit sich die getätigten Investitionen nachhaltig positiv auswirken werden und die Behandlung von Patienten dauerhaft auf ein neues Niveau angehoben werden kann.

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